Bombenräumung in Hildesheim

Gegen 19:00 Uhr am 16. August 2017 erreichte uns im Mutterhaus die Nachricht, dass bei Bauarbeiten auf dem Gelände einer Schule ganz in unserer Nähe, eine englische Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg entdeckt worden war. Wir sollten umgehend unser Haus räumen.
Um 20:30 Uhr trafen wir uns zusammen mit den Bewohnern des Hauses Luise (Betreutes Wohnen im Brühl)  im benachbarten APH St. Paulus und harrten der Dinge, die da kommen würden. Auf der Neuen Straße vor dem Haus standen bald zahlreiche Fahrzeuge des Malteser Hilfsdienstes. Wenig problematisch war der Transport der gehfähigen Bewohner. Sie konnten, teilweise noch selbständig, in die Busse steigen. Der größte Teil der 89 Bewohnerinnen und Bewohner mussten mit Rollstuhl oder sogar liegend transportiert werden. Da auch noch ein weiteres Altenheim evakuiert werden musste, dauerte das alles seine Zeit.
Vom APH St. Paulus waren zahlreiche Mitarbeiterinnen zum Dienst gerufen worden oder waren freiwillig gekommen. Ebenso hatten einige Ehrenamtliche ihre Hilfe angeboten, so dass ausreichend Personal zur Betreuung zur Verfügung stand. Alle waren sich sehr liebevoll darum besorgt, den alten Menschen die so völlig fremde Situation gut erträglich zu machen.
Da die Bombe als gefährlich eingestuft wurde, musste ein Bereich von bis zu tausend Meter um den Fundort herum evakuiert werden. Das bedeutete, dass ziemlich schnell rund 20.000 Menschen diesen Bereich verlassen mussten. Wie schon oft in ähnlichen Fällen standen zwei Schulen in Hildesheim als Notquartiere zur Verfügung.
Die ersten Kleinbusse erreichten gegen 22:30 Uhr das Notquartier, die Turnhalle der Renate-Schule im Stadtteil Ochtersum. Ein Drittel der großen Halle war als Aufenthaltsbereich mit Tischen und Bänken bereits fertig eingerichtet. In einem anderen abgeteilten Drittel hatten Helfer von Rotem Kreuz bereits Feldbetten aufgebaut. Wir jüngeren Schwestern versuchten uns nützlich zu machen, indem wir beim Aufbau von Feldbetten halfen, Decken und Kissen verteilten. Die letzten Bewohnen das APH St. Paulus kamen gegen Mitternacht an.
Schließlich wurde auch noch das letzte Drittel der Halle mit Feldbetten ausgestattet, da ein Teil der Evakuierten immer müder wurde und dankbar war für die Möglichkeit, sich hinlegen zu können. Als die Feldbetten alle belegt waren, kam jemand auf die Idee, die am Ende der Halle liegenden Turnmatten zum Ruhen zu benutzen.
Wir Schwestern vertrieben uns die Zeit mit Spielen, die wir mitgebracht hatten. Einige von uns trafen Bekannte oder knüpften Gespräche mit Unbekannten an. Schließlich nutzten fast alle von uns die Ruhemöglichkeiten.
Schon von Anfang an boten Helfer des Roten Kreuzes Wasser, Tee, Kaffee und Kekse an und gegen Mitternacht wurde eine warme Suppe ausgegeben. Das DRK hatte vor der Halle eine mobile Küche aufgebaut und sorgte auch ständig für Nachschub von heißem Kaffee.
Da das Wetter warm und trocken war, hielten sich auch Evakuierte vor der Halle auf; insbesondere die Raucher. Manche nutzten Gelegenheit zu nächtlichen Spaziergängen in der näheren Umgebung.
Gegen 3:40 Uhr kam die Nachricht,  dass jetzt mit der Entschärfung der Bombe begonnen würde und um 4:15 Uhr wurde verkündet, dass alles glatt verlaufen sei. Die Sperrung der Stadt wäre aufgehoben und man könnte nach Hause zurückkehren. Die ersten Bewohner das APH St. Paulus waren schon gegen 4:45 Uhr wieder zurück; die letzten erst morgens gegen 8:00 Uhr.
Großes Lob gebührt allen, die mit Organisation und Durchführung dieser Evakuierung befasst waren. Besonders zu loben waren die Helferinnen und Helfer in der Turnhalle mit ihrer Einsatzbereitschaft, ihrer Freundlichkeit und ihrem oft großen Einfühlungsvermögen in die Situation der alten pflegebedürftigen Menschen. - Und natürlich gilt unser Dank denen, die die Bombe unschädlich gemacht haben.