"Wer nur seine eigenen ..."

Vinzenz von Paul sagt:
"Wer nur seine eigenen Interessen im Sinn hat, kann nie die Sache Gottes vertreten."

Beim ersten Lesen klingt dieses Wort hart und abschreckend. Was mag Vinzenz von Paul damit meinen? Stehen meine eigenen Interessen wirklich Gottes Sache im Wege?
Beim genauen Hinsehen fällt das Wort "nur"auf. Jemand, der nur sich und seine Interessen im Sinn hat, kann Gottes Sache wirklich nicht vertreten. Das leuchtet durchaus ein. Wenn ich nur mit mir selbst beschäftigt bin, habe ich einfach keine Zeit und keine Kraft mehr für etwas anderes. Da muss ich noch nicht einmal absichtlich oder gar böswillig Gott und seine Sache vergessen; sie haben einfach keinen Raum mehr.
Das finde ich erschreckend. Es ist also möglich, im Alltag keine Zeit mehr für Gott zu haben und es vielleicht noch nicht einmal zu bemerken. Die gemeinsamen Gebetszeiten, deren Texte ich nahezu auswendig kenne, ermöglichen mir, quasi automatisch mutzubeten und geistigerweise ganz woanders zu sein. In Gesprächen mit anderen drängen sich immer wieder meine Probleme, meine negativen Erlebnisse usw. in den Vordergrund.Wenn es mir so geht, fühle ich mich unwohl, ohhe dass ich genauer sagen kann, warum.
Das Wort "nur" gibt mir auch hierzu eine Erklärung. Wenn ich nichts anderes mehr kenne als mich, dann fühle ich mich nicht mehr wohl. Wenn aber Gottes Sache und meine Interessen in etwa im Gleichgewicht sind, fühle ich mich mehr oder weniger gut.
Vinzenz von Paul zeigt in diesem Wort seine Klugheit und Menschenkenntnis: Wenn ich Gottes Sache vertrete, komme ich dabei nicht zu kurz.Das ist eine Erfahrung, die wir sicher alle schon gemacht haben.
 

[Wort für Mai 2011 / SRML]